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GründerUni Bayreuth - Geschäftsstelle des Instituts für Entrepreneurship & Innovation

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Charry

Die Bayreuther Alumni Benjamin Keller und Maximilian von Forstner sind Gründer und Geschäftsführer von Charry, einer Ship-from-Store Plattform, über die Einzelhändler, Filialisten oder auch Marktplätze ihre online verkaufte Ware direkt aus den lokalen Stores abholen, verpacken und versenden lassen können.

Das bringt eine Reihe an Vorteilen mit sich: Einzelhändler werden in sämtlichen logistischen Prozessen von Charry unterstützt – angefangen beim Datenaustausch zwischen den Shopsystemen, des Verpackungs- und Versandprozesses aller Waren bis hin zum Retourenmanagement. Personal, das täglich mit dem Verpacken und Versenden betreut war, kann sich wieder seinem Kerngeschäft, dem Verkauf und der Beratung von Kunden, widmen. So werden interne Abläufe im Einzelhandel effizienter gestaltet, Personalkosten reduziert und die Umsätze durch zusätzliche Online-Absatzkanäle erhöht.

Der Aufbau einer Versandabwicklung für Einzelhändler und Filialisten auf der lokalen Fläche ist aufgrund fehlender logistischer Ressourcen und mangelndem Know-how oftmals mit erheblichen Kosten verbunden. Hier bietet Charry Abhilfe, indem der gesamte Logistikprozess übernommen und effizienter gestaltet wird. Mit Unterstützung von Charry kann der stationäre Handel die Anbindung an die Online-Verkaufswelt meistern.

Die Gründungsgeschichte von Charry

Max: Wir haben uns bereits während des Studiums mit verschiedenen Unternehmensgründungen beschäftigt. Ich betrieb damals einen kleinen Online-Shop für Trachtenmode. Die Verpackung und der Versand, zudem noch größtenteils ins Ausland, waren für mich sehr kompliziert und aufwendig. Damit ist die Idee zu Charry entstanden, wenn auch zu Beginn noch eine etwas andere, als es heute der Fall ist.

Welche Lehrangebote im Bereich Entrepreneurship haben Sie an der Universität Bayreuth in Anspruch genommen?

Benjamin: Leider hat sich die Uni Bayreuth erst nach unserer Zeit aktiv mit diesem Thema beschäftigt. Dennoch konnten wir in einigen Seminararbeiten und nicht zuletzt während des Ökonomiekongresses mehr über Entrepreneurship und was alles dazu gehört erfahren. 

Was können Sie aus Ihren Erfahrungen die Gründung betreffend an Interessierte (Studierende) weitergeben?

Benjamin: Letztendlich geht es darum, die Idee umzusetzen. Während dieser Umsetzungsphase werden dann allerdings verschiedene Probleme und schwierige Situationen auftreten, die es dann zu lösen und zu überwinden gilt. Wichtig ist, sich nicht aus der Ruhe bringen zu lassen und zu sehr auf die Ratschläge oder Meinungen von anderen zu hören. Was nicht heißt diesen gegenüber ignorant zu sein.

Was war das ausschlaggebende Ereignis für die Gründungsidee?

Benjamin: Aufbauend auf der Gründungsgeschichte, hat sich unsere Idee immer weiterentwickelt. Gestartet sind wir mit der generellen Überlegung, dass ein Paket mit einem einzigen Foto und der Angabe seines Standortes abgeholt, verpackt und versendet werden kann. Das zeigt wie wichtig es ist, das bestehende Geschäftskonzept immer zu hinterfragen und weiterzuentwickeln.

Welche Angebote der Uni Bayreuth haben Ihnen während der Gründungsphase geholfen und welche hätten Sie noch gebraucht?

Benjamin: Im Allgemeinen hat uns das wissenschaftliche Arbeiten, was man sich im Laufe der Studienzeit angeeignet hat, geholfen strukturiert und eigenständig zu arbeiten. Die betriebswirtschaftlichen Grundlagen haben sicher auch geholfen betriebliche Dinge besser einordnen und entwickeln zu können. Dennoch wäre es wünschenswert mehr Vertiefungen wählen zu können, die sich mit den praktischen Implikationen einer Unternehmensgründung beschäftigen.


Wie hilfreich war/ist ein Netzwerk für ihre Gründung?

Benjamin: Ohne jemanden zu kennen der jemanden kennt, dauert vieles oft länger und ist komplizierter.

Ist es Ihrer Meinung nach einfacher, alleine zu gründen oder doch lieber im Team?

Max: Nachdem wir gemeinsam gegründet haben, wissen wir natürlich nicht wie es alleine gewesen wäre. Allerdings können wir beide sagen, dass wir es in unserer Konstellation sehr geschätzt haben, jemanden an der Seite zu haben. Jemanden der besonders zu Beginn viele Schritte mitdenkt, jemanden, mit dem man sich die Arbeit teilen und Unsicherheiten besprechen kann.

Was halten Sie davon, dass auf dem Campus der Universität ein Institut für Entrepreneurship & Innovation mit „Gründerbüros“ und „Café“ errichtet wird, in welchem Gründungsinteressierte ihren Geschäftsideen nachgehen, sich treffen, austauschen und Partnerschaften knüpfen können?

Benjamin: Alles was sich in dieser Richtung tut kann nur hilfreich sein.

Werden Sie finanziell unterstützt?

Max: Ende letzten Jahres konnten wir eine weitere Investitionsrunde abschließen und haben namhafte Business Angels und auch einen großen Corporate Investor mit im Boot, die uns sowohl finanziell als auch mit ihrer Erfahrung und ihrer Infrastruktur unterstützen.

Gibt es aus Ihrer Sicht noch weitere wichtige Angebote, die die Universität Bayreuth Ihren Studierenden bislang nicht anbietet, welche aber durchaus von Interesse für Gründungswillige sind?

Max: Wahrscheinlich hat sich seit unserer Zeit an der Universität Bayreuth schon einiges geändert. Was in verschiedenen Kontexten, auch außeruniversitär, immer wieder auffällt, ist die Art und Weise wie in Deutschland der Gründungsgedanke vermittelt wird. Hier müssen wir dringend daran arbeiten, Gründungen lockerer zu nehmen und „Versagen“ nicht als negativ einzustufen, sondern als einen Lernprozess zu begreifen. Im Vergleich zu den USA sind wir meilenweit abgeschlagen; uns ist es bislang nicht gelungen, ein gründungsfreundliches Klima zu schaffen. Dafür müssen wir als Gesellschaft beispielsweise an unserem Risikoempfinden und aber auch an institutionellen Rahmenbedingungen arbeiten, etwa was die Finanzierungsmöglichkeiten von StartUps angeht. In all diesen Punkten kann die Universität Bayreuth sicherlich einen wichtigen Beitrag leisten, indem sie Studierende ermutigt und Tools an die Hand gibt wie ihre Ideen weiterentwickelt werden können. Gleichzeitig kann sie über Rahmenbedingungen aufklären, die für eine Gründung wichtig sind.

Hatten Sie zuvor bereits Gründungserfahrung?

Max: Abgesehen von dem Online-Trachtenhandel, habe ich keine eigene Gründungserfahrung. Ich wurde jedoch schon früh im mittelständischen Familienunternehmen eingebunden und konnte hier erste unternehmerische Erfahrungen sammeln.

Benjamin: Eigenständige Gründungserfahrung nein, aber ich konnte bei meinen Eltern und Geschwistern miterleben, wie es ist zu gründen und für sich selbst verantwortlich zu sein. In meiner Familie sind alle selbstständig.

Wie ist die Produktidee von Charry?
Max: Wir wollen Einzelhändlern, Filialisten und Marktplätzen die Anbindung an die Online-Verkaufswelt erleichtern. Für diese Player ist es oftmals schwierig mit den großen Onlinehändlern zu konkurrieren, da ihnen die Infrastruktur für die logistischen Prozesse fehlt. Genau hier knüpfen wir an und bieten ihnen einen Service, der ihnen von der Abholung der zu verschickenden Produkte über den Versandprozess bis zu Retourenabwicklung alle operativen Prozesse abnimmt. So können sie diesen Prozess vollständig outsourcen und sich auf ihr Kerngeschäft fokussieren.


Verantwortlich für die Redaktion: Sandra Kubera

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